Drei Jahre lang habe ich ein schönes ruhiges Hundeleben. Spielzeug, Haus und Garten, meine Menschen und alle 

Hundekuchen gehörten nur mir allein. Auf dem Hundeplatz und im Park geht  es immer ganz schön wild zu, wenn ich dabei

bin. Bearded-Collie-mäßig eben. Mit anderen  Rüden habe ich eigentlich selten Probleme, nur Angeber mag ich nicht. Ihr

wisst schon, die sich immer so aufspielen, mit Knurren und Rute hoch. Aber glaubt bloß nicht, dass ich zurückknurren darf,

wenn ich an der Leine bin, denn dann knurrt mein Frauchen mich an und die kann das besser, als jeder andere Hund.

Es kommt mir gleich komisch vor,  als meine Menschen anfangen von einem  „Kleinen Bruder“ zu reden. Dem Ton nach

müsste es  ja was Gutes zum Knabbern sein, wie Hundekuchen oder Schweineohr.     Und es wird noch viel komischer !

Wie so oft machen wir eine Autofahrt und ich rechne fest mit einem schönen langen Waldspaziergang, aber als wir endlich

anhalten ist  kein Wald zu sehen, nur Häuser und Gärten. Meine Menschen sind mächtig aufgeregt und erzählen was von

gutem Benehmen. Na, wenn sie sich an mir ein Beispiel nehmen wird das schon klappen.

Dann gehen wir zu einem Haus. Ich glaube, ich werde schon erwartet, denn vier sehr nette Bearded-Collie-Damen begrüßen

mich stürmisch. Oh Mann, sehen die toll aus, gut das Frauchen mich frisch gebürstet hat.

Doch dann steigt mir ein ganz anderer Duft in die Nase. Ich erkenne ihn sofort !

HIER SIND GANZ SICHER WELPEN  !!!

Ihr müsst wissen, dass (außer Quietsch-Tiere) Welpen meine große Leidenschaft sind. Etwas ungewöhnlich für einen

gestandenen Rüden, aber das war bei mir schon immer so. Wer weiß, ob meine Menschen mich sonst  heute mitgenommen

hätten.

Im Wohnzimmer soll ich jetzt bleiben und Platz machen  -wie langweilig- .

Ich warte erst einmal eine Weile, aber dann robbe ich in Richtung Welpenduft. mmer schön auf dem Bauch, vielleicht sieht

mich ja niemand. Doch da ist es schon passiert, Frauchen hat mich entdeckt. Auf ihrem  Arm ist ein winzig kleines

Hundekind. Sie hält mir sein kleines Hinterteil hin und ich darf es beschnuppern. Für meine Nase riecht das himmlich.  Und

dann sagt sie es wieder, „Kleiner Bruder“. Ich überlege ob sie damit wohl diesen niedlichen Welpenpopo meint ?

Komische Ausdrücke haben diese Zweibeiner manchmal.

In der nächsten Zeit fahren wir regelmäßig Welpen gucken. „Kleiner Bruder“ und seine Geschwister entwickeln sich prächtig

und nach ein paar Wochen packen Herrchen und Frauchen ihn einfach ins Auto und nehmen ihn mit. Ob die das dürfen ?

Erst habe ich noch gedacht sie wollen ihm nur zeigen wie toll unser Auto ist, aber wir fahren wirklich bis zu uns  nach Hause.

Als er auf unserer Wiese ein Bächlein macht bin ich erst einmal geschockt. „Kleiner Bruder“ kann kein Bein heben ! Na, das

ist ja peinlich !

Oder ist er vielleicht ein Mädchen ?

Na, da haben sich meine Menschen ja schön reinlegen lassen, ob wir ihn jetzt wieder wegbringen ? Aber erst einmal gehen

wir alle zusammen ins Haus und „Kleiner Bruder“ bekommt jetzt seinen richtigen Namen. Er heißt MARLOW-NEIN und als er

versucht die Teppichfransen auf ihren ernährungsphysiologischen Wert zu testen,  heißt er sogar MISTER-MARLOW-NEIN. Ein

ganz schön langer Name für so einen kleinen Hund, hoffentlich kann er sich das  merken.

So, jetzt werde ich ihn erst einmal richtig beschnuppern und weil er noch ein bischen fremd riecht, wird er erst einmal

gründlich  abgeleckt. Ich glaube das gefällt ihm, er dreht sich sogar auf den Rücken, damit ich überall dran komme und

plötzlich ist er eingeschlafen. Einfach so. Tja, Dexter weiß was Welpen mögen !!!

Ich glaube wir behalten ihn  doch. Er muß zwar noch eine ganze Menge lernen, aber wer soll ihm denn was beibringen,

wenn nicht ich ?

Und wer weiß, vielleicht bekommen wir eines Tages die Sache mit dem Bein heben ja doch noch hin. Obwohl, ich bin mir

ganz sicher, ich konnte das schon immer !

Es grüßt Euch

 „DEXTER“