v. Marita Liss

                                                                                                                                                                                                                 

Es war ein Tag im April. Wie jeden Tag machte ich mich in der Mittagszeit mit meinen Beardies Dexter und Marlow auf, zum 

Spaziergang. Das Wetter war sehr ungemütlich und stürmisch aber das macht uns nichts aus, im Gegenteil.

Unser Weg führte uns heute durch einen Park, an Wiesen und Feldern vorbei durch ein kleines Wäldchen und wahrscheinlich 

wetterbedingt, trafen wir kaum andere Spaziergänger.

Die Geräuschkulisse war gerade in dem kleinen Waldgebiet immens. Es pfiff und heulte in der nahegelegenen 

Hochspannungsleitung, kleine Äste und Blätter flogen uns nur so um die Ohren. Marlow lief vor mir, Dexter trödelte gut 10 

Meter hinter mir her, weil er immer wieder eine besonders interessante Stelle zum schnuppern fand und das dauert bei ihm 

auch schon mal etwas länger. Vor einer Wegbiegung zeigte mir Marlow an, dass etwas ungewöhnlich war. Seine 

Körperhaltung  

sagte mir sofort, da kommt jemand. Gerade in diesem Gebiet waren uns schon oft sehr unfreundliche Vierbeiner begegnet und 

so rief ich ihn zu mir und leinte ihn an. Ich wollte gerade nach Dexter rufen, da kamen mir auch schon 2 jüngere Männer 

entgegen. Beide mit Bierflasche und bereits sichtlich angetrunken. Ich hatte sofort ein ungutes Gefühl und wenn ich die 

Möglichkeit gehabt hätte wäre ich sicher ausgewichen, aber es gab nur diesen einen Weg, der außerdem an dieser Stelle auch 

noch sehr schmal ist.

Es kam was ich befürchtet hatte, einer der beiden pöbelte mich an. Ich kann mich an den genauen Wortlaut nicht mehr 

erinnern, ich weiß nur noch, dass ich Marlow am Halsband faßte um uns an den Typen vorbeizuschleusen, doch dann packte 

mich einer der Männer am Jackenärmel und hielt mich fest. Er fragte, warum ich denn allein wäre. Ich schrie ihn an, er solle 

seine Finger wegnehmen, dann ging alles blitzschnell. Ich hörte nur ein böses knurren direkt hinter mir, dann ein lautes KLAPP 

neben meiner Schulter (Zähne, die zum Glück nur in die Luft geschnappt haben), da lag der Mann auch schon auf dem Boden 

und ich hatte Mühe meinen Dexter zu bändigen, der völlig außer sich war.

Was für ein Tumult !  Marlow, inzwischen laut bellend, an der Leine, Dexter, immer noch knurrend und fletschend, fest an 

mich gepreßt und zwei Männer die mitten durch den Wald flüchteten. Nur die Bierflaschen blieben auf dem Weg zurück.

Mit weichen Knien ging ich erst einmal bis zur nächsten Bank. Ich war mir gar nicht so sicher, ob ich Dexter jetzt nicht 

ausschimpfen müßte, aber mein Gefühl sagte mir etwas ganz anderes.

Es war für mich absolut unglaublich, dass gerade mein Dexter, der jeden Menschen überschwenglich liebt, egal ob Postbote, 

Müllmann, Fremder oder Freund, mich wirklich beschützt. Ich habe schon oft gehört, dass Hunde instinktiv so handeln, aber 

eigentlich immer ein bischen für „Seemannsgarn“ gehalten. Jetzt weiß ich es besser !

 

Es hat Wochen gedauert bis meine „Jung’s“ und ich diese Strecke im Wald wieder unbefangen passiert haben. Nach wie vor 

trödelt Dexter manchmal hinter mir her, aber nie mehr an dieser Stelle.