Am 3.10.1999 war es soweit, Prüfungstermin auf einem Hundeplatz in Gelsenkirchen. Die erste Begleithundeprüfung des

Clubs für Britische Hütehunde.

Ich gebe es zu, vor jeder Prüfung schwitze ich Blut und Wasser, nächtelang schlafe ich schlecht und auf  Nahrung könnte

ich völlig verzichten. Jedes mal vorher frage ich mich, warum mach ich das bloß ? Und so war ich eigentlich froh, dass es

jetzt soweit war. Zwei Wochen vorher hatten wir uns den Platz angesehen und waren Probe gelaufen. Wir kamen als

eines der ersten Teams an die Reihe, zum Glück, denn das leckere Frühstück, das für alle bereit stand konnte ich

sowieso nicht genießen.

 

Und dann ging es los !  Immer 2 Teams starteten zusammen und meldeten sich ordnungsgemäß beim Leistungsrichter:

„Hundeführerin Marita Liss meldet sich mit Nobility Mr. Marlow zur Unterordnung“.

Das andere Team stellte sich ebenfalls vor.

Man fängt mit einer Grundstellung an, dann geht man los, 50 Schritte bei Fuß an lockerer Leine, Kehrtwende, weitere

10 Schritte, dann 15 Schritte Laufschritt und 15 Schritte Bummelschritt (mindestens 10 Schritte sind MUSS), dann

wieder Normalschritt, 2 rechte Winkel im Abstand von 15 Schritten, eine Kehrtwende und eine Grundstellung.

Bis jetzt war ich sehr zufrieden, Marlow lief  schön eng bei Fuß und versuchte Blickontakt zu halten. (Nur beim

Laufschritt hat er wohl versucht den Blickkontakt in Augenhöhe zu halten, er hoppste nämlich neben mir her, aber

immerhin bei Fuß).

Wir gingen wieder an, Winkel nach links, durch eine Personengruppe. Jetzt hatte ich ein Problem, der Boden war hier so

matschig, dass ich befürchtete jeden Moment auf der Nase zu liegen. Marlow hatte zum Glück keine Probleme damit

und stiefelte brav neben mir her. Dann machten wir in der Gruppe eine Grundstellung, gingen einige Schritte aus der

Gruppe heraus und machten wieder eine Grundstellung. Jetzt wurde es schwieriger, denn jetzt musste ich Marlow

ableinen und wir liefen das ganze noch einmal ohne Leine und auch das klappte wirklich gut. Dann  kam das Sitz aus der

Bewegung und schon als ich das Kommando gab wusste ich, das ich nicht meinen üblichen Ton getroffen hatte. Aber

umdrehen und korrigieren ist nicht erlaubt und so ging ich meine 30 Schritte weiter und drehte mich dann um. Marlow

lag, ich hatte es mir gedacht, aber wenn das unser einziger Fehler blieb würden wir dafür nicht durchfallen, sondern nur

Punktabzug bekommen. Auf ein Zeichen des Richters ging ich zurück zu meinem Hund.

 

Nun kam das Platz aus der Bewegung und ich bemühte mich jetzt den richtigen Ton zu treffen. Als ich mich umdrehte

und Marlow lag, war ich heilfroh.  Auf ein Zeichen des Richter rief ich ihn mit dem Kommando HIER zu mir. Er blieb

auch schön brav vor mir sitzen und schaute mich an. Dann rief ich ihn bei Fuß und Marlow kam in die Grundstellung.

Diese Übung beendete ich mit einem dicken Lob für meinen Hund.

 

Wir warteten bis der andere Hund in der Ablage abgeholt wurde und Marlow nahm nun seinen Platz ein. Ich entfernte

mich 30 Schritte von ihm und drehte ihm den Rücken zu. Er musste jetzt so lange liegen bleiben bis das andere Team mit

der Unterordnung fertig war. Ich durfte mich während dieser Zeit natürlich nicht zu meinem Hund drehen und konnte nur

hoffen, dass er liegen bleibt. Ich hatte eigentlich auch keine Sorge, dass Marlow aufsteht und geht, aber manchmal ist er

etwas albern und wenn dann noch Langeweile dazu kommt kullert er sich einfach auf den Rücken und strampelt mit allen

Vieren in der Luft. Irgendwann rollt er dann zwar wieder in seine korrekte Platzposition aber ich glaube nicht, dass ein

Richter eine solche Akrobatik zu würdigen weiß. Meistens bekomme ich diese Aktion auch gar nicht mit, denn Marlow

wartet bis ich ihm den Rücken zuwende. Wenn ich mich dann wieder umdrehe liegt er schön brav im Platz, ist allerdings

voller Blätter, Erde und was sonst noch so herum liegt.

Auf ein Zeichen des Richters durfte ich mich nun umdrehen und meinen Hund abholen, ich sah, dass er ganz brav (und

sauber) liegen geblieben war. Aufmerksam wartete er bis ich bei ihm war und erst auf mein Kommando setzte er sich hin.

Wir hatten es geschafft !

Jetzt mussten wir noch einmal zum Richter und uns abmelden: Unterordnung beendet, hieß es jetzt.  Nun gab der

Richter sein Urteil ab. Er sagte, dass Marlow ihm gut gefallen hatte (mir auch) und das ein so aufmerksamer Hund

versteckte Hilfen (ich war mir dessen wirklich nicht bewusst) überhaupt nicht braucht, und dass wir diesen Teil der

Prüfung gut bestanden hatten.

Darf man Richter küssen ?? Ich habe es natürlich NICHT getan, sondern habe ganz brav Danke gesagt und bin vom

Platz gegangen.

 

Teil 2 – „Prüfung im Verkehr“, sollte erst nach der Mittagspause dran kommen und eigentlich hatte ich jetzt überhaupt

keine Bedenken mehr, denn die Übungen im Straßenverkehr sind für uns Alltag und ich war mir sicher, das schafft

Marlow locker.

Mit Spannung verfolgte ich jetzt den Prüfungsablauf der anderen Teilnehmer, doch bei den meisten klappte es leider

nicht so gut. Das Problem war bei vielen dasselbe. Angeleint ging es noch ganz gut, aber sobald die Leine ab war konnte

von Teamarbeit keine Rede mehr sein. Meterweites hinterhertrödeln, war noch das harmloseste aber auf jeden Fall ein

sicheres Zeichen für einen unmotivierten Hund. Leider waren auch einige Beardies dabei und ich kenne keine Rasse, die

leichter zu motivieren ist.

Die Art der Ausbildung die ich in meinem Artikel Hundeerziehung etwas anders beschrieben habe eignet sich besonders

gut für die cleveren Beardies, die sich bei Übungen die immer nach dem selben Schema ablaufen, schnell auch mal

langweilen.

 

Dann war es soweit, die Prüfung im Straßenverkehr begann.

Marlow musste an lockerer Leine bei Fuß gehen, wir wurden von einem Radfahrer überholt, der uns dann auch noch

einmal klingelnd entgegen kam. Aber wie schon gesagt, das ist für uns Alltag und Marlow zeigte sich völlig unbeteiligt.

Jetzt gingen wir bis zu einer recht stark befahrenen Kreuzung und auch hier sollte sich der Hund gegenüber Autos,

Menschen und anderen Hunden möglichst neutral verhalten. Wir gingen durch eine Personengruppe und ich ließ ihn am

Straßenrand Sitz machen.  Dann machte ich ihn an einer Laterne fest und entfernte mich. Wie erwünscht blieb er brav

sitzen und ließ Fußgänger und einen anderen Hundeführer mit Hund passieren. Auf ein Zeichen des Richter durfte ich

ihn wieder abholen und jetzt hatten wir es wirklich geschafft.

Marlow hatte seine Begleithundeprüfung bestanden !